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Internationale Filmfestspiele Berlin 2012

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Datei:Berlinale-Plakat 2012.gif
Offizielles Berlinale-Plakat 2012
Zum dritten Mal in Folge Moderatorin des Filmfestivals: die Deutsche Anke Engelke
Diesjähriger Jurypräsident: Mike Leigh
Mit Captive zum ersten Mal im Wettbewerb um den Goldenen Bären vertreten: Brillante Mendoza

Die 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) finden vom 9. bis 19. Februar 2012 statt. Gemeinsam mit Cannes und Venedig zu den bedeutendsten Filmfestivals der Welt zählend, steht es zum elften Mal unter der Leitung von Dieter Kosslick.

In den offiziellen Sektionen, darunter der Internationale Wettbewerb, ist erst ein kleiner Teil der Filmbeiträge bekanntgegeben worden. Eröffnet wird das Filmfestival mit Benoît Jacquots im Wettbewerb befindlichen Historienfilm Les adieux à la reine.[1] Ein Abschlussfilm wurde noch nicht benannt. Dieter Kosslick, dessen Vertrag als Leiter der Berlinale im Vorfeld verlängert wurde, nannte Migration und Rechtsradikalismus als thematische Schwerpunkte für die Berlinale 2012. Außerdem sollen die Solidaritätsaktionen für iranische Filmemacher fortgeführt werden. Nachdem im Vorjahr die Werke des zu einer Haftstrafe verurteilten Jafar Panahi in mehreren Sektionen der Filmfestspiele gezeigt worden waren, sollen 2012 u. a. Panahi, dessen Co-Regisseur Mojtaba Mirtahmasb und Mohammad Rasulof als Ehrengäste nach Berlin eingeladen werden. Die Filmemacher seien nicht mehr im Gefängnis, dürften aber laut Kosslick zum Teil nicht ausreisen.[2]

Als Moderatorin für die Eröffnungs- und Abschlussgala wurde die deutsche Komikerin und Schauspielerin Anke Engelke verpflichtet. Engelke war bereits von 2003 bis 2005 und von 2010 bis 2011 Berlinale-Moderatorin.[3]

Bereits als Gewinnerin fest steht die US-amerikanische Schauspielerin Meryl Streep, die mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wird. Streep, die am häufigsten für den Oscar nominierte Schauspielerin, war bereits 1999 mit der Berlinale Kamera sowie 2003 mit dem Silbernen Bären als beste Darstellerin ausgezeichnet worden.[4] Außerdem werden das Filmstudio Babelsberg und der deutsche Filmemacher Haro Senft mit der Berlinale Kamera geehrt.[5][6]

Nach wiederholter Kritik am Wettbewerbsprogramm schloss Kosslick eine terminliche Verschiebung der Berlinale aufgrund von Kooperationen mit den Filmfestivals von Rotterdam und Sundance aus, die vor der Berlinale abgehalten werden. Bei einer Verschiebung in den Herbst würde das Festival mit den Filmfestspielen von Venedig und Toronto konkurrieren.[2] Im Vorfeld der Berlinale hatte der US-amerikanische Filmregisseur Martin Scorsese Interesse bekundet, mit seinem im Oktober 2011 uraufgeführten Film Hugo Cabret das Filmfestival zu eröffnen. Da der Fantasyfilm aber zum Start der Filmfestspiele bereits in den Vereinigten Staaten und in Europa eine reguläre Kinoauswertung erfahren hätte, wurde Hugo Cabret nicht ins Programm aufgenommen.[7]

Inhaltsverzeichnis

Offizielle Sektionen

Internationaler Wettbewerb

Internationale Jury

Als Jurypräsident der Berlinale 2012 wurde Anfang Dezember 2011 Mike Leigh präsentiert.[8] Der improvisationsfreudige britische Film-, Fernseh- und Theaterregisseur zählt neben Ken Loach und Stephen Frears zu den bedeutendsten Vertretern des New British Cinema und wurde in seiner Karriere bislang siebenmal für den Oscar nominiert. Leighs künstlerisches Anliegen ist es laut eigenen Angaben „außergewöhnliche Filme über das gewöhnliche Leben zu machen“. Häufig erzählt er humorvolle Geschichten von der sozialen Unterschicht.[9] 1984 lief sein Spielfilm Meantime in der Berlinale-Sektion Forum, sein Kurzfilm The Short and Curlies (1988) und sein Spielfilm Life is Sweet (1991) wurden in der Sektion Panorama gezeigt. 2008 konkurrierte Leigh mit Happy-Go-Lucky erstmals um den Goldenen Bären.

Dem Jurypräsidenten stehen sieben Jurymitglieder zur Seite, eine Person mehr als im Vorjahr. Es handelt sich überwiegend um Filmschaffende:[10]

Filme

Am 19. Dezember 2011 wurden die ersten fünf Wettbewerbsfilme bekanntgegeben, zwei davon laufen außer Konkurrenz.[11]

Alle bislang präsentierten Anwärter auf den Goldenen Bären erhielten jeweils ihre erste Einladung in den offiziellen Wettbewerb, darunter der philippinische Regisseur Brillante Mendoza, 2009 mit dem Regiepreis der Filmfestspiele von Cannes ausgezeichnet. In der französisch-philippinischen Koproduktion Captive stellt er eine Mitarbeiterin einer humanitären Hilfsorganisation (gespielt von Isabelle Huppert) in den Mittelpunkt, die gemeinsam mit einer Gruppe von Touristen auf der Insel Palawan von der islamistischen militanten Untergrundorganisation Abu Sajaf entführt werden.[12] Unter den außer Konkurrenz laufenden Filmen befinden sich Stephen Daldrys Drama Extremely Loud And Incredibly Close, eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jonathan Safran Foer sowie Zhang Yimous The Flowers Of War, der bei der Golden-Globe-Verleihung 2012 als bester fremdsprachiger Film nominiert ist.

Am 4. Januar 2012 wurde Les adieux à la reine von Benoît Jacquot als vierter Wettbewerbsbeitrag um den Goldenen Bären und gleichzeitig Eröffnungsfilm der Berlinale bekanntgegeben. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Chantal Thomas (ins Deutsche unter dem Titel Leb wohl, Königin! übersetzt) berichtet der Film – aus der Perspektive der Dienerschaft von Versailles – von den ersten Tagen der Französischen Revolution.[1] Am 9. Januar 2012 wurden zehn weitere Weltpremieren für den Wettbewerb angekündigt, darunter die neuesten Werke der deutschen Autorenfilmer Matthias Glasner, Christian Petzold, Hans-Christian Schmid sowie der Franko-Schweizerin Ursula Meier,[13] am 20. Januar drei weitere Wettbewerbsfilme.[14]

Filmtitel (Verweistitel) Regie Land Darsteller (Auswahl)
À moi seule (Coming Home) Frédéric Videau Frankreich Agathe Bonitzer, Reda Kateb, Hélène Fillières, Noémie Lvovsky
Les adieux à la reine (Farewell My Queen / Leb wohl, meine Königin!) Benoît Jacquot Frankreich, Spanien Léa Seydoux, Diane Kruger, Xavier Beauvois, Virginie Ledoyen
Aujourd´hui (Tey) Alain Gomis Frankreich, Senegal Saül Williams, Aïssa Maïga, Djolof M'bengue
Bai lu yuan (White Deer Plain) Wang Quan'an Volksrepublik China Zhang Fengyi, Zhang Yuqi, Wu Gang
Barbara Christian Petzold Deutschland Nina Hoss, Ronald Zehrfeld
Captive Brillante Mendoza Frankreich, Philippinen, Deutschland, Vereinigtes Königreich Isabelle Huppert, Katherine Mulville, Marc Zanetta
Cesare deve morire (Caesar Must Die) Paolo Taviani
Vittorio Taviani
Italien Cosimo Rega, Salvatore Striano, Giovanni Arcuri, Antonio Frasca
Csak a szél (Just The Wind) Benedek Fliegauf Ungarn, Deutschland, Frankreich Lajos Sárkány, Katalin Toldi, Gyöngyi Lendvai, György Told
Dictado (Childish Games) Antonio Chavarrías Spanien Juan Diego Botto, Bárbara Lennie, Mágica Pérez
L’enfant d’en haut (Sister) Ursula Meier Schweiz, Frankreich Léa Seydoux, Kacey Mottet Klein, Gillian Anderson, Martin Compston
Gnade (Mercy) Matthias Glasner Deutschland, Norwegen Jürgen Vogel, Birgit Minichmayr, Henry Stange
Jayne Mansfield’s Car Billy Bob Thornton Russland, Vereinigte Staaten Billy Bob Thornton, Robert Duvall, John Hurt, Kevin Bacon
Kebun binatang (Postcards From The Zoo) Edwin Indonesien, Deutschland, Hongkong, Volksrepublik China Ladya Cheryl, Nicholas Saputra
En kongelig affære (Die Königin und der Leibarzt / A Royal Affair) Nikolaj Arcel Dänemark, Tschechische Republik, Deutschland, Schweden Mads Mikkelsen, Alicia Vikander, Trine Dyrholm, David Dencik, Mikkel Boe Følsgaard
Metéora (Meteora) Spiros Stathoulopoulos Deutschland, Griechenland Theo Alexander, Tamila Koulieva
Rebelle (War Witch) Kim Nguyen Kanada Rachel Mwanza, Alain Bastien, Serge Kanyinda
Tabu Miguel Gomes Portugal, Deutschland, Brasilien, Frankreich Teresa Madruga, Laura Soveral, Ana Moreira, Carloto Cotta
Was bleibt (Home For The Weekend) Hans-Christian Schmid Deutschland Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Sebastian Zimmler, Ernst Stötzner

Außer Konkurrenz

Außer Konkurrenz sind innerhalb des Wettbewerbsprogramms bisher folgende Filme bekanntgegeben worden:

Berlinale Shorts

Im offiziellen Kurzfilmwettbewerb sind 27 Filme aus 22 Ländern vertreten, darunter 20 Weltpremieren. Wie im Internationalen Wettbewerb wurden auch im Rahmen der Berlinale Shorts Goldene- und Silberne Bären durch eine internationale Jury vergeben. Diese besteht 2011 aus der deutschen Schauspielerin Sandra Hüller, die palästinensisch-amerikanische Künstlerin Emily Jacir und der irische Filmemacher David O’Reilly, der 2009 in der Sparte Hauptpreis für Please Say Something gewann. Darüber hinaus vergibt die Jury die Nominierung für den besten europäischen Kurzfilm (Prix EFA) und ein Stipendium in Berlin. Eingeladen wurden u. a. die Kurzfilme der Peruanerin Claudia Llosa (Goldener Bär 2009 für Eine Perle Ewigkeit) und des 2010 verstorbenen deutschen Künstlers Christoph Schlingensief.[15]

In einem Special wird am 18. Februar 2012 der Episodenfilm Magyarország 2011 (Hungary 2011) gezeigt, der die politische und soziale Situation in Ungarn widerspiegelt. An dem Film waren u. a. Márta Mészáros und Miklós Jancsó beteiligt. Béla Tarr wurde als Gesprächsgast eingeladen.[15]

Kurzfilmwettbewerb

Panorama

Die Sektion Panorama wird zum 33. Mal veranstaltet und widmet sich dem internationalen Film (vorzugsweise Arthouse-Kino und Autorenfilm). 2012 werden etwa 50 Spiel- und Dokumentarfilme gezeigt, von denen der Großteil der Produktionen bereits bekanntgegeben wurde.[16] Eröffnet wird die Sektion, in der der PanoramaPublikumsPreis vergeben wird, mit Tony Gatlifs Indignados und Małgorzata Szumowskas Elles.[17]

Spielfilme

Dokumentarfilme

Perspektive Deutsches Kino

Die Sektion Perspektive Deutsches Kino wird zum elften Mal veranstaltet und zeigt aktuelle deutsche Dokumentar- und Spielfilmproduktionen. Eröffnet wird die Reihe mit dem Dokumentarfilm Man for a Day von Katarina Peters.[18] Am 10. Januar 2012 wurde das komplette Programm präsentiert, dass von der Sektionsleiterin Linda Söffker als „Die DDR war bunt, die Jugend ist kritisch und gute Filme erzählen sich im Kopf zu Ende“ umschrieben wurde.[19]

Filmtitel Regie Darsteller (Auswahl)
Ararat Engin Kundag
Dichter und Kämpfer Marion Hütter Dokumentarfilm
Gegen Morgen Joachim Schoenfeld
Karaman Tamer Yiğit
Branka Prlić
Isilay Gül
Man for a Day Katarina Peters Dokumentarfilm
Rodicas Alice Gruia Dokumentarfilm
Sometimes we sit and think and sometimes we just sit Julian Pörksen
Sterben nicht vorgesehen Matthias Stoll Dokumentarfilm
Tage in der Stadt Janis Mazuch Pascale Schiller
This Ain’t California Marten Persiel Dokumentarfilm
Trattoria Soleen Yusef
Die Vermissten Jan Speckenbach André Hennicke
Westerland Tim Staffel

Generation

Diese Berlinale-Sektion zeigt seit 1978 für Kinder und Jugendliche geeignete internationale Filmproduktionen. Als Auszeichnung wird je ein Gläserner Bär von einer Kinder- und Jugendjury an einen Spielfilm und eine Dokumentation vergeben. 2012 werden 58 Kurz- und Langfilme aus 32 Ländern gezeigt. Die Sektionsleiterin Maryanne Redpath umschrieb das Programm mit „Neue Entdeckungen und neugierige Entdecker“.[20]

Generation Kplus – Spielfilme

Generation 14plus – Spielfilme

Retrospektive und Hommage

Seit 1977 werden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinemathek filmhistorische Retrospektiven auf der Berlinale gezeigt. 2011 werden unter dem Titel Die rote Traumfrabrik über 40 Stumm- und Tonfilme der sowjetischen Meschrabpom-Film und der deutschen Prometheus Film aufgeführt, die zwischen 1922 und 1936 entstanden. Die Stummfilme werden mit Live-Musik von internationalen Künstlern unterlegt.

Ein Auswahl der Retrospektive wird u. a. auch auf dem 55. Internationalen Festival für Dokumentar- und Animationsfilm (DOK Leipzig) sowie im März/April 2012 unter dem Titel The Red Dreamfactory im New Yorker Museum of Modern Art zu sehen sein.[21]

Einn Werkschau („Hommagen“) widmet sich dem Schaffen der US-amerikanischen Schauspielerin Meryl Streep, die 2012 mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wird.[4]

Filme außerhalb des offiziellen Programms

In Zusammenarbeit mit der Retrospektive und den Fernsehsendern ARTE und ZDF wird am 10. Februar 2012 im Friedrichstadt-Palast Sergei Eisensteins Oktober (1927, ОктябрьOktjabr) aufgeführt. Der Film thematisiert die Oktoberrevolution im Herbst 1917 und wird mit der Originalmusik von Edmund Meisel gezeigt.[21]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Offizielle Pressemitteilung bei berlinale.de, 4. Januar 2012 (abgerufen am 4. Januar 2012).
  2. a b Mehlig, Holger ; Wählisch, Nathalie (dapd): Solidarität auf der Berlinale mit iranischen Regisseuren. 2. Januar 2012, 11:45 AM GMT (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  3. Kino: Anke Engelke moderiert wieder bei der Berlinale bei morgenpost.de, 23. Dezember 2011 (abgerufen am 25. Dezember 2011).
  4. a b Offizielle Pressemitteilung bei berlinale.de, 2. Januar 2012 (abgerufen am 2. Januar 2012).
  5. Offizielle Pressemitteilung bei berlinale.de, 22. Dezember 2011 (abgerufen am 19. Januar 2012).
  6. Offizielle Pressemitteilung bei berlinale.de, 18. Januar 2012 (abgerufen am 19. Januar 2012).
  7. Oßwald, Dieter: „Kreischalarm ist doch schön“. In: Stuttgarter Nachrichten, 2. Januar 2012, S. 12.
  8. Offizielle Pressemitteilung bei berlinale.de, 2. Dezember 2011 (abgerufen am 20. Dezember 2011).
  9. Mike Leigh. In: Internationales Biographisches Archiv 04/2006 vom 28. Januar 2006, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 48/2011 (abgerufen via Munzinger Online).
  10. Offizielle Pressemitteilung bei berlinale.de, 19. Dezember 2011 (abgerufen am 20. Dezember 2011).
  11. Offizielle Pressemitteilung bei berlinale.de, 19. Dezember 2011 (abgerufen am 20. Dezember 2011).
  12. Filmprofil bei allocine.fr (französisch; abgerufen am 20. Dezember 2011).
  13. Offizielle Pressemitteilung bei berlinale.de, 9. Januar 2012 (abgerufen am 9. Januar 2012).
  14. Offizielle Pressemitteilung bei berlinale.de, 20. Januar 2012 (abgerufen am 21. Januar 2012)
  15. a b Offizielle Pressemitteilung bei berlinale.de, 19. Januar 2012 (abgerufen am 21. Januar 2012)
  16. Pressemitteilung bei berlinale.de, 18. Januar 2012 (abgerufen am 19. Januar 2012).
  17. Pressemitteilung bei berlinale.de, 3. Januar 2012 (abgerufen am 4. Januar 2012).
  18. Offizielle Pressemitteilung bei berlinale.de, 22. Dezember 2011 (abgerufen am 25. Dezember 2011).
  19. Offizielle Pressemitteilung bei berlinale.de, 10. Januar 2012 (abgerufen am 14. Januar 2012).
  20. Offizielle Pressemitteilung bei berlinale.de, 12. Januar 2012 (abgerufen am 18. Januar 2012).
  21. a b Offizielle Pressemitteilung bei berlinale.de, 24. Oktober 2011 (abgerufen am 25. Dezember 2011).

 

 

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